Intrauterine Infektion


Nach der Infektion eines noch nicht immunisierten tragenden Muttertieres kann es bei diesem zur bovinen Virsudiarrhoe, subklinischen Verlaufsform usw. kommen, in deren Verlauf im Rahmen der Virämie Virus transplazentar auf die Frucht übertragen wird. Die Auswirkungen einer BVDV-Infektion auf die Frucht während der Gravidität hängen deutlich vom Infektionszeitpunkt ab. 

Innerhalb der ersten 40 Trächtigkeitstage kann der Eizelle keine BVDV-Infektion übertragen werden, da die Nidation noch nicht erfolgt ist. Allerdings kann es dennoch zu Fruchtresorption und Umrindern kommen. Bei Infektion im Zeitraum zwischen dem 40. und 120. Trächtigkeitstag kommt es insbesondere durch zytopathogenes Virus zu Totgeburten, lebensschwachen Kälbern, reduziertem Geburtsgewicht und verschiedentlichen Missbildungen, je nachdem wie weit die Organogenese bei Infektionszeitpunkt fortgeschritten ist. Die auffälligste Missbildungsvariante ist das so genannte occulocerebelläre Syndrom, bei dem die geborenen Kälber erhebliche Defekte im Bereich der Augen und des Kleinhirns haben. Blindheit, Exophthalmus und Mikrophthalmie sowie Kleinhirnhypo bis -aplasie oder auch Hydrocephalus stehen im Vordergrund des Syndroms. Solche Kälber nehmen zwar zunächst Nahrung auf, sind aber meist nicht in der Lage, ihre Bewegungsabläufe zu koordinieren, zeigen Ataxie, liegen fest und verenden meist innerhalb der ersten Lebenstage. 

Die Infektion des Fetus mit nicht zytopathogenem Virus führt bei ihm in dem genannten Trächtigkeitsstadium (40.- 120. Tag) zur Ausprägung der persistierenden Infektion. Das noch nicht vollständig entwickelte Immunsystem des Fetus erkennt das Virus in dieser Phase nicht als Antigen und entwickelt ihm gegenüber eine Immuntoleranz. Das persistent infizierte Tier (PI-Tier) wird in der Regel völlig unauffällig geboren. 

Nach dem 120.-150. Trächtigkeitstag kann das Immunsystem des Fetus reagieren, so dass bei Infektion eine immunologische Reaktion (Immunintoleranz) mit folgender Serokonversion erfolgt. Das Kalb wird gesund und mit seropositivem Antikörperblutbefund geboren. In einzelnen Fällen treten auch bei diesen Kälbern dennoch Missbildungen oder im Verlauf der Aufzucht Wachstumsdepressionen auf. 
Ab dem 150. Trächtigkeitstag wird generell ein gesundes seropositives Kalb geboren.