Verbreitung und Infektionswege

Die Blauzungenkrankheit ist bisher zwischen dem 35. südlichen und dem 44. nördlichen Breitengrad aufgetreten. Es wurden Fälle aus Afrika, dem Nahen Osten, dem indischen Subkontinent, aus China, den USA und Mexiko gemeldet. Die Seuche zeigt aber bereits seit Jahren eine expansive Tendenz. So wurde sie im Jahre 2000 in Schafbeständen auf den Balearen, Sardinien, Sizilien und Korsika bestätigt. Allerdings handelte es sich dabei nie um den Serotyp 8, sondern um die Serotypen 1, 2, 9 und 16. Der Serotyp 8 wurde Mitte August 2006 erstmals in Europa, nämlich in den Niederlanden, Belgien und Deutschland nachgewiesen. Aus dem niederländischen Kerkrade, unweit der deutschen Grenze, wurden die ersten Fälle in diesen Breiten gemeldet. In den sich anschließenden Untersuchungen konnte das Virus aber auch in mehreren deutschen und belgischen Betrieben bei Rindern und Schafen nachgewiesen werden. Je mehr Betriebe untersucht werden, desto mehr positive Befunde gibt es, auch wenn die Tiere des Betriebes zuvor keine klinischen Symptome gezeigt haben oder diese auf Grund ihrer Milde übersehen wurden.
Infektionswege
Für die Ausbreitung der Krankheit in Richtung Norden wird die anhaltende Wärme in diesem Sommer sowie die voranschreitende Klimaerwärmung verantwortlich gemacht. Durch die ausreichend langen hohen Temperaturen konnten sich die virusübertragenden Stechmücken der Gattung Culicoides auch hierzulande vermehren. Im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden wird Culicoides obsoletus die größte Bedeutung als biologisch effektiver Vektor beigemessen. Aber auch Culicoides pulicaris könnte als Vektor von Bedeutung sein. Derzeit wird die Bedeutung der beiden Culicoidesarten am FLI untersucht. Bei insgesamt 7 Spezies der Gattung Culicoides konnte bislang die Übertragung des BTV nachgewiesen werden, bei 24 weiteren ist eine Übertragung denkbar.
Nachdem eine erwachsene Culicoides-Mücke das BTV aufgenommen hat, vermehrt sich das Virus in einer Replikationsdauer von 6 - 8 Tagen in den Mitteldarmzellen und der Speicheldrüse der Mücke. Einmal infizierte Mücken bleiben lebenslang Virusträger. Die mittlere Überlebensdauer einer Culicoides-Mücke in Deutschland beträgt etwa 20 Tage. Während die Übertragung von einem mit dem Virus infizierten Tier (Wirt) auf die Stechmücke (Vektor) sehr ineffizient ist, verläuft die Übertragung vom Vektor uf den Wirt außerodentich effizient. Unter den derzeitigen klimatischen Bedingungen kann davon ausgegangen werden, dass Culicoides-Mücken und damit das BTV in Deutschland aber nicht überwintern können. Mittelfristig könnte der Klimawandel jedoch ein Überwintern der Stechmücken auch in hiesigen Breiten ermöglichen.
Außer durch Culicoides-Mücken kann das BTV auch iatrogen übertragen werden. Eine besondere Gefahr stellt die Benutzung nicht sterilisierter Kanülen bei Mehrfachverwendung dar. Das direkte Verbringen des BTV in die Lymph- oder Blutbahn gleicht der Infektion über Vektoren.
Eine Virusübertragung von Tier zu Tier ist dagegen nicht möglich. Die Blue Tongue Disease ist keine Zoonose und stellt somit keine Gefahr für den Menschen dar. Fleisch- und Milchprodukte können daher bedenkenlos verzehrt werden.
Dennoch sind nach der Feststellung der Seuche gegen die betroffenen Länder Exportverbote für lebende Rinder verhängt worden. Dies führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Derzeit setzen sich die betroffenen Länder dafür ein, das Exportverbot für Tiere aus seuchenfreien Gebieten aufzuheben.
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